Die bedrohte Artenvielfalt im Stadtwald Seligenstadt

Avifauna

Das Plangebiet weist aufgrund der Vielfalt an Strukturen und Pflanzengesellschaften eine hohe Artenzahl von Vögeln auf:

  • Wanderfalke (Jagdgebiet im Feld von Jügesheim und Dudenhofen
  • Waldschnepfe
  • Bekassine
  • Stellenweise Brachvögel im Durchzug
  • Schwarzspecht, Grünspecht, Grauspecht, Kleinspecht & Mittelspecht
  • Wiedehopf
  • Neuntöter
  • Nachtigall
  • Trauerschnäpper
  • Kleiber
  • Baumläufer
  • Schwanz-Meisen
  • Zaunkönig
  • Gimpel
  • Wiesenweihe
  • Rot- und Schwarzmilan
  • Ziegenmelker
  • Pirol
  • Kuckuck
  • Kraniche in den Wiesen um Froschhausen beim Übernachten
  • Roter Milan
  • Bussard

Die Spechte sind stark vertreten. Dies weist - auch wegen des hohen Bruthöhlenangebotes - indirekt auf einen intakten Waldzustand und auf einen potentiell wertvollen Lebensraum für Fledermäuse hin.

Der Rote Milan

Auch der Rote Milan wurde in den letzten Jahren beobachtet. Diese Vogelart ist wegen ihrer Jagdweise über den Bäumen durch Windenergieanlagen stark gefährdet.

Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass sich nördlich und südlich des Plangebietes VR-Gebiete befinden, in denen zusätzlich FFH-Gebietsvorschläge vorliegen (Nr. 6019-401). Es handelt sich hierbei um die Sandkiefernwälder der östlichen Untermainebene. Eine Ausweisung der zwischenliegenden Flächen für Windparks verhindert eine Vernetzung der hochwertigen Gebiete.

Fledermausarten

Gemäß des Erläterungstextes zum RegFNP wurden nur geplante Vorranggebiete im Umfeld von FFH-Gebieten, die zur Erhaltung von Fledermausarten ausgewiesen wurden, hinsichtlich des Kriteriums "Fledermäuse" bewertet. Demnach wurden alle anderen Flächen diesbezüglich nicht untersucht.

Da gerade Wald und Waldränder Habitate der Fledermäuse darstellen, ist eine solche Ausweisung unseres Ermessens nicht zulässig. Zudem liegen für Waldgebiete nördlich und südlich des Plangebietes FHH-Gebietsvorschläge vor.

Großer Abendsegler

  • seit mehreren Jahren konnten Winterquartiere nachgewiesen werden
  • der Bestand hat sich in den letzten Jahren erhöht
  • sucht seine Jagdgebiete noch in einer Entfernung bis zu 20km von seinem Wohngebiet auf
  • jagt überwiegend über den Baumkronen (daher große Gefährdung durch WEA)

Fransenfledermaus

  • bewohnt Baumhöhlen
  • jagt in Wäldern und Parks
  • ist im Bereich des Keltengrabes vorhanden

Bechsteinfledermaus

  • klassische Waldart
  • bewohnt bevorzugt Baumhöhlen
  • jagt auf kleinen Lichtungen und Waldwegen
  • breites Nahrungsspektrum
  • ist im Plangebiet in letzter Zeit stärker vertreten
  • ist sie besonders licht- und geräuschempfindlich
  • deshalb genießt sie auch einen höheren Schutz nach Anhang II der FFH-Richtlinie, d. h. alleine wegen ihres Vorkommens müsste der Wald als FFH-Gebiet ausgewiesen werden
Eine Fledermaus

Die Bedeutung des Waldes ist für Fledermäuse aufgrund folgender Faktoren besonders wichtig:

  • Quartierfunktion (z. B. Großer Abendsegler):
    Sie verbringen den Tag in Baumhöhlen und Spalten und jagen weitgehend über den Bäumen
  • Orientierungsstruktur:
    z. B. Fransenfledermäuse nutzen neben der Quartierfunktion die Waldränder und angrenzenden Hecken oder Baumreihen als Orientierungsstrukturen vom Tagesversteck ins Jagdrevier
  • Jagdgebietsfunktion (z. B. Bechsteinfledermaus):
    Sie ist in der Lage, den Wald als Quartier- und Jagdgebiet sowie als Orientierungsstruktur zu nutzen

In den letzten Jahren wurden vielerorts Kollisionen von Fledermäusen mit Windkraftanlagen beobachtet. Es kann somit nicht behauptet werden, dass keine Gefährdung für Fledermäuseim geplanten Vorranggebiet bestehen.

Bei einer Studie des Regierungspräsidiums Freiburg wurden fünfmal mehr tote Fledermäuse als Vögel unter den Windkraftanlagen aufgefunden. Die meissten wiederum an Standorten im Wald oder auf Windwurfflächen. Bei den in diesen Studien untersuchten Flächen handelt es sich ebenfalls nicht FFH- oder sonstige Schutzgebiete.


Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Standorte in Wäldern aufgrund der aktuellen Kenntnislage als potentiell besonders problematisch einzuschätzen sind.

In vielen anderen Bundesländern (u. a. Baden-Württemberg) werden daher prinzipiell keine Windenergieanlagen im Wald genehmigt. Auch das Regierungspräsidium in Kassel erteilt für solche Standorte keine Genehmigungen mehr!

Wir halten es daher für grob fahrlässig, auf dem aktuellen Kenntnisstand eine Waldfläche als Vorrangfläche für Windenergienutzung auszuweisen.